Mittwoch, 31. Dezember 2014

Neoosmanische Justiz

Ein sechzehnjähriger Türke wurde festgenommen, ihm wird Beleidigung des Staatsoberhauptes vorgeworfen: er hat Präsident Erdogan korrupt genannt.
Droht ihm etwa eine noch schwerere Beschuldigung: Verrat eines Staatsgeheimnisses?

Samstag, 6. Dezember 2014

Der neue Ministerpräsident von Thüringen

gehört einer recht unerfreulichen Partei an (ehemalige Bonzen der Deutschen Demokratischen Diktatur; political correctness – allerdings sind auch andere Parteien unerfreulich: Neoliberalismus; ehemalige FDJ-Agitatorin; political correctness). Aber dennoch, und auch wenn sein Glaubensverständnis nicht dem Standard der katholischen Tradition entspricht, in unserer Zeit ist das doch bemerkenswert:
Ein bekennender Christ ist zum Ministerpräsidenten gewählt worden.

Montag, 24. November 2014

Eine Lesung

Der Diakon im Sonntagshochamt:
„Wir hören noch ein Evangelium. Diesmal ist es das richtige.“

Freitag, 14. November 2014

Große Männer der Kirche werden abgesetzt

Am 25. September wurde Mons. Rogelio Ricardo Livieres Plano als Bischof von Ciudad del Este abgesetzt, am 8. November der „große Kardinal“ (so Benedikt XVI.) Raymond L. Burke als Präfekt der Segnatura Apostolica. Das ist juristisch korrekt, wie Roberto de Mattei darlegt.
Allerdings: Petrus hat, als Paulus beschwerlich wurde (Gal. 2, 11), ihn dennoch nicht als Heidenapostel (l.c. v. 9) abgesetzt.

Dienstag, 11. November 2014

Schwächung des Bischofsamts

Kürzlich war die Rede von der mangelnden Übereinstimmung des Motu proprio Pauls VI., das den Rücktritt fünfundsiebzigjähriger Bischöfe erzwingt, mit der ökumenisch überlieferten Ordnung der Kirche. Nun wird die Schwächung des Bischofsamts noch weitergetrieben durch ein „Rescriptum ex audientia Ss.mi“: «Art. 5.- In alcune circostanze particolari l’Autorità competente può ritenere necessario chiedere a un Vescovo di presentare la rinuncia all’ufficio pastorale, dopo avergli fatto conoscere i motivi di tale richiesta ed ascoltate attentamente le sue ragioni, in fraterno dialogo.»
Immerhin geht auch dieses Reskript nicht soweit, daß es die vier Wochen zuvor erfolgte Absetzung Mons. Rogelio Livieres Planos als Bischofs von Ciudad del Este legalisierte, bei der der Bischof weder über die Motive dieses Ansinnens unterrichtet wurde noch er überhaupt beim Papst Gehör fand.

Samstag, 1. November 2014

Predigtmärlein

– weitere Folge:
In der Predigt heute höre ich – und ich höre es nicht zum ersten Mal –, das die Heiligen des Römischen Kanons (des I. Hochgebets) alles römisch Lokalheilige seien.
Auch mit mittelmäßiger Aufmerksamkeit höre ich in der Reihe der Heiligen: die Mutter des Herrn, die Apostel, also Juden; Afrikaner, eine Sizilianerin.
Wie kommt es zu solch abwegigen Mären?

Dienstag, 21. Oktober 2014

Starkes Verkehrsaufkommen

Am Samstagabend und ebenso am Montagnachmittag haben die Züge in Richtung Norden und Osten fast alle starke Verspätung; am Montag muß ich mehr als drei Viertelstunden warten. Die Begründung, durch Lautsprecher verkündet: starkes Verkehrsaufkommen zwischen Düsseldorf und Duisburg. Was mögen das nur für Züge sein, die an diesen sonst doch eher nicht übermäßig verkehrsreichen Tagen plötzlich auf dieser Strecke aufgetaucht sind?

Rauchfreier Bahnhof

Der Duisburger Hauptbahnhof ist, wie wohl jetzt alle größeren bundesdeutschen Bahnhöfe, ein „Rauchfreier Bahnhof“. Aber für die Raucher sind auf dem Bahnsteig einige Raucherbereiche reserviert.
Für Reisende, die längere Zeit, und gar mit schwerem Gepäck, zu warten haben, gibt es auf dem Bahnsteig einige Sitze. Wie praktisch für die Raucher: der Großteil dieser Sitze befindet sich in den Raucherbereichen. Glücklicherweise ist das Gewicht meines Gepäcks erträglich.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Taoisten im Vatikan

Die Franziskaner der Immaculata: Dem geistlichen Leben im Sinn des heiligen Franziskus und besonders der Armut sich widmend, zeigten sie fruchtbares apostolisches Wirken und hatten außerordentlich viele Ordensberufungen.
Der Gründer und Generalobere, P. Stefano Manelli, wurde von Kommissaren des Vatikan von seinem Amt dispensiert, gleichsam unter Hausarrest gestellt, schikaniert, die im apostolischen Dienst engagiertesten Priester des Instituts wurden kaltgestellt, die Gemeinschaft insgesamt paralysiert. Wirkliche Vorwürfe gibt es gegen niemanden von ihnen, nur Phrasen und falsche Vorwürfe, die ohne weiteres zu widerlegen waren.

Kardinal Burke: Er war in der Kurie einer derer, die sich am meisten für das geistliche Leben der Kirche einsetzten.
Er wurde zuerst aus zwei Kongregationen entfernt und dann als Präfekt der Apostolischen Signatur abgesetzt, auf einen recht bedeutungsarmen Posten abgeschoben.Vorwürfe gegen ihn gibt es nicht.

Bischof Rogelio Livieres Plano von Ciudad del Este: Bemüht um die Förderung des geistlichen Lebens in seiner Diözese, engagiert für die Benachteiligten, führte er seine Diözese zu fruchtbarem apostolischen Wirken und erlebte außerordentlich viele Priesterberufungen.
Er wurde nach einer Visitation vom Vatikan abgesetzt. Wirkliche Vorwürfe gegen ihn gibt es nicht, nur Andeutungen, die auf längst widerlegte Vorwürfe anspielten.

Papst Franziskus gab wohl den Kommissaren gegenüber den Franziskanern der Immaculata sein Placet, unterzeichnete wohl die Absetzung des Bischofs, wußte aber von all dem wohl nur ganz ungefähr: von den Franziskanern der Immaculata empfing er nur einige von den Kommissaren ausgewählte „gehorsame Brüder“; als einer von denen dennoch offen zu reden versuchte, griff sogleich einer der von den Kommissaren ernannten neuen Oberen ein. Mons. Rogelio Livieres Plano wurde gar nicht erst zum Papst vorgelassen.
So scheint im Vatikan kaum der nur wenig informierte Papst Franziskus zu regieren, sondern eine Camarilla, eine Camarilla von Taoisten:

Das Taoteking:
(3) Die Tüchtigen nicht bevorzugen, so macht man, daß das Volk nicht streitet.
...
Darum regiert der Berufene also:
Er leert ihre Herzen und füllt ihren Leib.
Er schwächt ihren Willen und stärkt ihre Knochen
und macht, daß das Volk ohne Wissen und ohne Wünsche bleibt,
und sorgt dafür, daß jene Wissenden nicht zu handeln wagen.
...

(5) Himmel und Erde sind nicht gütig.
Ihnen sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.
Der Berufene ist nicht gütig.
Ihm sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.
...

(19) Tut ab die Heiligkeit, werft weg das Wissen,
so wird das Volk hundertfach gewinnen.
Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht,
so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe.
...
Gebt auf die Gelehrsamkeit!
So werdet ihr frei von Sorgen.
(I.Teil: [Das TAO] Der SINN; übertragen von Richard Wilhelm)

Donnerstag, 25. September 2014

Angst

In einem Interview mit der tageszeitung sagte der Psychiater Peter Zwanzger: «Wir sind sicherlich ... im weitesten Sinne eine Gesellschaft der Angst. In Südamerika gibt es zum Beispiel ein höheres Vertrauen gegenüber dem Schicksal, die Leute sind ruhiger, entspannter und auch fester in einer Religion verankert.»

Montag, 22. September 2014

II. Vaticanum

Warum eigentlich sind die Dokumente dieses Konzils auf dem Site des Vatikans ins Tschechische übersetzt, aber weder ins Polnische noch ins Kroatische, zwar ins Weißrussische, aber weder ins Russische noch ins Ukrainische?

Prophetie im Kreise der Blogger

(um Thomae Auftrag zu erfüllen:)
Am Freitagabend:
Nach dem Abendprogramm noch etwas abspannen am Straßenrand (in Erfurt gibt es einen Italiener, der selbstgebrautes Bier anbietet).
Das Gespräch kommt auf das Problem des besonderen theologischen und kirchlichen Sprachgebrauchs. Ein Patriarch der Bloggözese erklärt, daß es im Kreise der Blogger Ärger hervorriefe, wenn jemand das Wort „Dialog“ gebrauchte. Allgemeine Zustimmung; in meiner bewährt rechthaberischen Art merke ich noch an, daß bei diesem Sprachgebrauch gar kein wirklicher Dialog gemeint sei, denn der setzte ja voraus, daß beide Seiten einen wirklichen eigenen Standpunkt hätten; wer aber heutzutage in dieser Weise von „Dialog“ rede, warte doch eher sehnsüchtig darauf, vom anderen über den Tisch gezogen zu werden.

Am Samstagmorgen: Ein Theologieprofessor hält uns einen Vortrag. Nein, das Wort „Dialog“ fällt nicht, soweit ich mich erinnern kann, dafür geht es um Mission: es sei nicht so, daß wir Christen etwas hätten, was den anderen fehlte; es gehe vielmehr darum, daß beide gleichermaßen etwas voneinander lernten, beide sich veränderten – also: die ganze Dialogromantik wird ausgebreitet, und alles wird belegt mit dem Heiligen Buch der modernen Theologen.
Doch alle mögen den Mann, er ist so freundlich, daß der Ärger sich nur in sachlicher Argumentation niederschlägt.

Mittwoch, 17. September 2014

Eine Camarilla im Vatikan

Bisher schon waren die Franziskaner der Immaculata die Opfer, nun droht es deren weiblichen Zweig zu treffen. Daraufhin haben die Franziskanerinnen der Immaculata Einspruch dagegen erhoben bei der Segnatura apostolica; deren Präfekt, der hoch angesehene Kardinal Burke, hat den Einspruch angenommen. Und nun: Kardinal Burke wird seines Amtes enthoben, in ein rein repräsentatives Amt versetzt.
Nein, es scheint kein Generalangriff gegen überlieferten Ordo und erfolgreiches apostolisches Wirken zu sein, wie schon gemutmaßt wurde – die Diözese Ciudad del Este scheint ja die Apostolischen Visitation unbeschädigt durchstanden zu haben.

Nein, es scheint ein Phänomen zu sein, das es in der Geschichte des Vatikans des öfteren gegeben hat, Männer, denen der Papst blind vertraut – und das nur allzu oft nicht zum Nutzen der Kirche. Nun scheint es eine Camarilla zu sein, die mißgünstig ist gegenüber den Instituten der Immaculata.
Acción litúrgica empfiehlt uns ein Gebet für die Schwestern; eines für Papst Franziskus schließe sich an, daß er freie Sicht bekomme, fern solchen Einflüsterungen.

Real existierende Eßkultur

in Deutschlands Fernem Osten:


Dienstag, 19. August 2014

Nein, Glückwünsche nun doch nicht

Heutige Diktatoren pflegen tyrannisch das Volk auszubeuten und ihre eigene Familie mit Wohltaten zu überschütten. C. Julius Caesar Octavianus Augustus praktizierte das Gegenteil: für das Reich leistete er Großes, er schuf nie gekannten Frieden, konnte es sich leisten, die Armee zu halbieren. Doch seiner Familie gegenüber zeigte er sich als furchtbarer Tyrann (man gedenke dessen, was sein Nachfolger Ti. Claudius Nero mit seiner Ehe erlitt).
Heute begeht Augustus seinen 2000. Todestag.

Dienstag, 12. August 2014

Katholisch-pfingstlerische Ökumene: Ein Traum wird zum Alptraum

Papst Franziskus reist nach Caserta, um einen befreundeten Pfingstler-Pastor zu besuchen. Gerade noch rechtzeitig erfährt er, daß es in Caserta auch Katholiken gibt, daß gar deren Patronatsfest am selben Tag ist; so widmet er auch ihnen noch einen Besuch.
Bei der Gelegenheit entschuldigt sich der Papst für Unrecht, das Katholiken Pfingstlern getan hätten, von dem bisher freilich noch nichts bekannt war, er adelt Pfingstler-Gemeinschaften zu Teilen eines Polyeders, welches insgesamt die Kirche darstelle.
Und als all dies durch die Nachrichten geht, erfährt man auch, wie oft Papst Franziskus schon US-amerikanische Sektenpastoren und Kommerzprediger empfangen hat. Sandro Magister weist darauf hin, daß darunter auch solche sind, die eine Theologie des Wohlstands verkünden – wer gläubig werde, werde dann auch reich; sie selber sind es geworden –, daß der Papst ihnen aber eine Predigt über die Armut erspart habe.
Ein Bild geht durch die Medien:
Der Pfingstlerhäuptling mit seinem Raubtierlächeln, die Bewegung der Hand mit der gesammelten Kraft seines Armes. Der Papst mit unsicherem Lächeln, mit unsicherer Bewegung. Es ist, scheint mir, deutlich zu sehen, wer die Szene beherrscht.

Und die andere Seite?
Evangelische Allianz von Italien und die beiden großen italienischen Pfingstlerverbände tun sich in nie gekannter Einheit zusammen, um in einer gemeinsamen Erklärung den Papst abzuhalftern. Und ein italienischer protestantischer Theologieprofessor, Mitglied der theologischen Kommission der weltweiten Evangelische Allianz, gibt dazu ein Interview voller Ressentiment und Feindseligkeit gegen die katholische Kirche; der Idee mancher Katholiken von „versöhnter Verschiedenheit“ – Polyeder! – erteilt er eine scharfe Absage.

Donnerstag, 7. August 2014

In Deutschlands Fernem Osten

Nun haben mich doch auch in unserem obersächsischen Großstädtchen die Zeugen J”s entdeckt; im Briefkasten habe ich den „Wachtturm“ gefunden. Natürlich – wir sind hier ja in Deutschlands Fernem Osten – auf Russisch.

Dienstag, 15. Juli 2014

„Summorum Pontificum“ und die orthodoxen Kirchen

Vor einer Woche, zum 7. Jahrestag der Unterzeichnung des Motu proprio „Summorum Pontificum“ durch Papst Benedikt XVI., war zu lesen, daß seinerzeit der damalige Patriarch von Moskau seine große Genugtuung über dieses Motu proprio geäußert hatte, daß sowohl der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel als auch der Patriarch von Moskau Delegaten nach Loreto gesandt hatten, um, als es am Fest der Kreuzerhöhung in Kraft trat, an dem Pontifikalamt im überlieferten Ordo teilzunehmen, das aus diesem Anlaß Kardinal Castrillon Hoyos dort zelebrierte.
Wer es nicht schon gewußt hat, sieht daran, wie gewichtig den orthodoxen Kirchen im Blick auf künftige Gemeinschaft der Kirchen die Einstellung des Vatikans gegenüber dem überlieferten Ordo erscheint.
Und so kann man erwägen, welche Folgen das Verhalten des Vatikans gegenüber den Franziskanern der Immaculata für die Beziehung zu den orthodoxen Kirchen hat.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Papst Franziskus bestätigt mich

Nun ist es offenbar: Papst Franziskus weiß grosso modo vom Vorgehen gegen die Franziskaner der Immaculata, billigt es, spricht P. Volpi & Co. sein Vertrauen aus.
Und wieder wird verleumdet: Zuvor war dem Gründer und Generalminister des Instituts, P. Stefano Manelli, Unterschlagung vorgeworfen worden – die Verantwortlichen mußten ihre Behauptung nach rechtlichen Schritten von Seiten der Familie P. Stefano Manellis zurücknehmen. Einem Novize des Instituts, der den Mut gehabt hatte, Papst Franziskus gegenüber P. Stefano zu verteidigen, der sich wenige Tage später entschloß, das Institut zu verlassen, wurde die Aussage unterschoben, er tue diesen Schritt, weil er «gegen das Zweite Vatikanische Konzil» eingestellt sei – indem man einem seiner Novizen solch eine Einstellung zuschreibt, trifft man natürlich das ganze Institut; und auch diese Unterstellung mußte zurückgezogen werden.

Und Papst Franziskus bestätigt, was ich vor einigen Wochen über seine Denkweise geschrieben habe, indem er Angehörigen des Instituts gegenüber S. Ignatius von Loyola zitiert – und damit alle Ordensangehörigen (oder gar alle Katholiken?) – quasi zu Jesuiten machen will: «Wir müssen, um in allem sicher zu gehen, stets festhalten: was meinen Augen weiß erscheint, halte ich für schwarz, wenn die hierarchische Kirche so entscheidet.»
Ich aber schätze den Mut der heiligen Katharina von Siena höher, die zu Gregor XI. sagte, «daß die Sünden des päpstlichen Hofes bis nach Siena stinken, ... und mir dort noch mehr Ekel einjagen als den Leuten hier»; und an Urban VI. schrieb: «Was sehe ich in Ihrer Umgebung? Eine Hölle voller Gottlosigkeit, voll vom Gift der Selbstsucht.» (zitiert nach Walter Nigg: Katharina von Siena. Freiburg i.Br. 1980)

Dienstag, 1. Juli 2014

Sie sind noch unter uns

im Westen, in Köln:

im Osten, in Chemnitz:

Samstag, 31. Mai 2014

Schach ist kein Sport

Schach ist kein Sport, befindet das Bundesinnenministerium, es mangle an der „notwendigen motorischen Eigenleistung“.
Es hat recht: Schachspieler sind nicht umgeben von Hundert- oder Tausendschaften biertrinkender grölender Fans, die nach dem Spiel auf Prügelorgien (eine intensive „motorische Eigenleistung“) aus sind. Schachliebhaber sitzen friedlich am Brett und, wenn sie nicht selber spielen, spielen sie Schachpartien der vergangenen Tage, Monate oder auch vergangener Jahrhunderte nach.
Schach ist kein Sport, Schach ist Kultur. Darin hat das Bundesinnenministerium recht. Und darum hat es dem Deutschen Schachbund die Fördergelder gestrichen.

Montag, 19. Mai 2014

Welche Partei bemüht sich für Sozialstaat und Umwelt?

Auf „TISA“ als neue Bedrohung für Sozialstaat und Umwelt nach „TTIP“ und „ISDS“ hatte ich schon in den Allotria hingewiesen, zum Unterzeichnen einer Petition aufgerufen. Interessant ist die Frage, wer eine solch dringend notwendige Petition ins Werk setzt. Ich gugle einmal „TISA“ und Petition (benutze dabei auch, um der bekannten Falle zu entgehen, „duckduckgo.com“).
Das Ergebnis: Es sind nicht die Grünen oder die Linke, sowieso nicht die Parteien der „GroKo“, auch nicht die von einigen guten Christen propagierten Kleinparteien CM, PBC, AUF.
Es ist die ÖDP.
Hätte ich nicht schon zuvor gewußt, was ich bei den Europawahlen wähle – jetzt wüßte ich es.

Anmerkung zum „Gugeln“

Wiese eigentlich nennen wir das Recherchieren im Netz mittels einer Suchmaschine „Gugeln“? Laut Grimms Wörterbuch bedeutet das „um sich schlagen“.

Samstag, 3. Mai 2014

Was ist Fachismus?

Ein Buch ist erschienen: „Der islamische Faschismus“; der Autor, Hamed Abdel-Samad, wird interviewt (taz vom 1.4.2014).
Zu seiner Meinung über den Islam kann ich nicht Stellung nehmen (allerdings mutet es mich anachronistisch an, ihn „faschistisch“ zu nennen); doch wie er Faschismus (implicite) definiert, ist interessant: „Die juristisch-politische Seite des Islam ist faschistoid und kann nicht anders, denn wenn ein Islamist in die Politik geht, hat er ein Ziel, nämlich eine islamistische Gesellschaftsordnung durchzusetzen, diese durch die Regeln der Scharia zu beherrschen und im nächsten Schritt auch die Welt zu beherrschen.“ Und: „Was machen Faschisten? Sie versuchen, Andersdenkende zu liquidieren, zum Schweigen zu bringen.“
Wendet man diese implizite Definition auf andere Ideologien an, stellt man an die Stelle von „Islam“, „Scharia“ etwa „Wirtschaftsliberalismus“, „Freier Markt“, so zeigt sich, daß diese Ideologie jedenfalls faschistisch ist. Nun ja: „Andersdenkende zu liquidieren“, das wohl noch nicht; aber wendet man die Definition auf die „political correctness“ an, so stehen wir schon dicht davor (in Spanien ist Anfang dieses Jahres ein Kardinal, Mons. Fernando Sebastián Aguilar, wegen nicht ganz linientreuer Äußerungen angeklagt worden).

„Geschlechtsumwandlung“

Einen besonderen Kommentar dazu bot kürzlich die tageszeitung.

Samstag, 29. März 2014

Eine christlich geprägte Partei

konsequent sozial, konsequent umweltbewußt, weit entfernt von politischer Korrektheit und Neoliberalismus – kann sie hierzulande eine Chance haben?
Wenn ich auf die bayrischen Kommunalwahlen schaue, sehe ich: vielleicht doch. Diese (wenn auch schon über 30 Jahre alte) nun aufstrebende Partei zeigte sich dort in kreisfreien Städten und Landkreisen bereits stärker als Linke, AfD, Piraten, Bayernpartei und Republikaner zusammen. Bei Kommunalwahlen treten allerdings Parteien des öfteren mit örtlichen Wählervereinigungen zusammen an. Zählt man diese gemeinsamen Listen hinzu, so ist die ÖDP erst recht stärker als jene fünf Parteien zusammen und auch bereits stärker als die untergehende FDP. Auch den einen oder anderen Bürgermeister wird sie stellen.
Die 3%-Hürde ist gefallen: ich bin gespannt auf das Ergebnis der Europawahlen.

Nachtrag:
Es sind fünf Bürgermeister geworden; dazu kommt noch die parteilose Bürgermeisterin von Ansbach, die sich auf ÖDP und eine örtliche Wählervereinigung stützt.

Montag, 10. März 2014

Zweierlei Maß

Die deutsche Bundeskanzlerin erklärt Versuche, die Krim von der Ukraïne zu lösen, für völkerrechtswidrig. Das mag sein (ich beziehe nicht Stellung; ich weiß nicht den Weg, die Nöte des Landes zu bewältigen). Vor sechs Jahren löste sich das Kosovo von Serbien. Nun ist das Kosovo geschichtlich sicher mehr mit Serbien verbunden als die Krim mit der Ukraïne. Damals aber protestierte die Bundeskanzlerin nicht.

Samstag, 22. Februar 2014

Papst Franziskus und der extraordinäre Ordo

Unmut hat eine vom Erzbischof von Olmütz, Jan Graubner, wiedergegebene Äußerung von Papst Franziskus ausgelöst, er finde, es sei eine Art Mode, wenn die jüngere Generation zum extraordinären Ordo zurückkehren wolle.
Doch das muß man aus der Spiritualität des Papstes verstehen.
Wer den extraordinären Ordo vorzieht, will damit seinem Glauben, seiner Liebe zum Herrn Ausdruck geben. Doch dabei sind eigenes Erleben, eigene Eindrücke, eigenes Denken von Bedeutung – das ist, wenn auch nichts nur Subjektives, so doch etwas Persönliches. Das eben aber lehnen die Konstitutionen der Gesellschaft Jesu ausdrücklich (§ 547) strikt ab. Sie fordern statt dessen blinden Gehorsam gegenüber dem Oberen – gegenüber dem aktuellen Oberen: „perinde ac cadaver“.
Diesem Kadavergehorsam aber entspricht der ordinäre Ordo, der seinerzeit vom Papst angeordnet wurde. So steht die Spiritualität des blinden Gehorsams gegen die Spiritualität der zu erlebenden Nähe des Herrn.
Papst Franziskus ist Jesuit. Wohl zeigt er sich gegenüber denen, die dem extraordinären Ordo folgen, in der Regel tolerant (in der Regel: ich weiß nicht, wieviel er von den Franziskanern der Immaculata weiß); verstehen kann er die, die statt einfach zu gehorchen in der Liturgie geistliche Tiefe suchen, nicht.

Samstag, 1. Februar 2014

Für Europa nur das Schlechteste

Sicher, die AfD gibt sich politisch erfrischend unkorrekt, familienfreundlich. Nur: Für Europa will sie nur das Schlechteste, sie will laut aktuellem Strategiepapier, daß die EU nur eine «gemeinsame Klammer» für «den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen» sei.
Wer die Familien den Stürmen des Freihandels unterwerfen will, ist alles andere als familienfreundlich.

Demographie

Vor zwei Jahrhunderten: die Überbevölkerung; die Schuldigen (laut Thomas Robert Malthus): die Armen. Sie zu unterstützen, zu schützen wurde für dem Gemeinwohl zuwider erklärt.
Vor einigen Jahrzehnten: die Überbevölkerung; Empfängnisverhütung wurde für notwendig erklärt. Die Schuldigen (der Theorie gemäß): die Menschen der Dritten Welt, die Armen. Die Gewinner: die Produzenten von Empfängnisverhütungsmitteln.
Heute: Überalterung, Fachkräftemangel. Schuldige werden nicht mehr gesucht; die Opfer: unter anderen die Rentner. Die Gewinner: die Arbeitgeber, die weniger Beiträge an die Rentenversicherung zu zahlen brauchen.
Demographie – eine unfehlbare Wissenschaft? Eine kluge und klare Analyse bietet Prof. Gerd Bosbach:
Demografische Desinformation

Gesetzgebung und Realität

In Frankreich ist Abtreibung nunmehr gesetzlich ohne jegliche Notlage erlaubt und, natürlich, dann auch kostenlos. Die Regierung sieht darin «nur eine längst fällige Anpassung an die Realität».
In der Tat: es ist gefährlich, die Gesetzgebung nicht nach der Realität auszurichten. Als umgekehrt etwa Abraham Lincoln in den USA es unternahm, statt dessen die Realität den Gesetzen zu unterwerfen, die Sklaverei abzuschaffen, gab es einen großen Krieg; und danach wurde er selber ermordet. Als etwas später Kaiser Pedro II. das gleiche in Brasilien versuchte, wurde er gestürzt, die Monarchie abgeschafft.
Da hat sich es die französische Regierung doch leichter gemacht.

Eine Petition und ein Kommentar

Ein Leserbrief:

Sehr geehrte Frau Pohl,

eine Petition zu einer baden-württembergischen „Bildungsplanreform“. Wenn mir auch deren Vorlage in einem weit entfernten Bundesland wenig Bedeutung zu haben scheint, so habe ich mir dennoch den Text angesehen – nicht zu beanstanden, sehr freundlich in Haltung und Tonart:
«Wir unterstützen das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren.»
«Gegenseitige Achtung und Respekt sind Aufgabe aller Beteiligten im Bildungsbereich.»

Und dann ein Kommentar von Ihnen:
«Um die 160.000 Unterschriften hat der Schwarzwälder Realschullehrer Gabriel Stängle mit seiner menschenverachtenden Onlinepetition bereits gesammelt.»
«Auch Vertreter der christlichen Kirchen hetzen mit ähnlichen Schriften. ... [(Text wird hier zitiert – unglücklich formuliert, aber durchaus nichts Hetzerisches –, jedoch keine Quelle genannt)] »
Ihr Wunsch: «Entsprechend wichtig ist es, nicht aufzuhören, weiter aufzuklären, dass man nicht schwul oder lesbisch gemacht wird, sondern einfach so geboren ist.» Also: eine rein weltanschaulich begründete Annahme soll als Aufklärungsprinzip durchgezogen werden, offenbar auch von Schulen, deren weltanschauliche Neutralität sonst gern eingefordert wird.
Und dann: «In der aktuellen Debatte wird dabei wie so oft durcheinander gebracht, dass es nicht um Sexualpraktiken geht, sondern um Toleranz.» Um Toleranz auch gegenüber weltanschaulich Ihnen nicht konformen Menschen möchte ich Sie in der Tat bitten.