Donnerstag, 12. Oktober 2017

Nein, gegen die meisten Einser-Abiturienten ist nichts zu sagen

– wenn sie von Ilija Trojanow (Zu Besuch bei Dr. Robot. taz vom 11. 10. 2017) einer «oftmals etwas autistischen Wesensart» bezichtigt werden, so ist das ungerecht. Aber was er über das gegenwärtige Schulsystem schreibt – «Sie sind erfolgreiche Absolventen eines Schulsystems, dass zunehmend weniger Kreativität fördert, sondern nur systematisches Lernen. ... die Fähigkeit zum Pauken das einzige Kriterium» –, ist weniger abwegig, erinnert an das, was wir einmal zu schreiben guten Grund hatten.

Irrsinn und Sinn in Katalonien

In Katalonien ist Katalanisch längst die erste Landessprache, es gibt einen eigenen Präsidenten, ein eigenes Parlament. So gibt es keinen Notstand der nationalen Kultur mehr wie einst unter Franco; so darf man es durchaus als unsolidarisch ansehen, wenn der besonders reiche Landesteil sich vom Rest Spaniens trennen will.
Verständnis dafür bekommt man, wenn man sieht, wie martialisch der spanische Staat – statt die Souverainität zu zeigen, eine Volksabstimmung, die ohne Grundlage in der Verfassung ist, als rechtlich belanglos hinzunehmen – gegen die Katalanen agiert. Und bedauerlich ist es, zu hören, wie der König, der den großen Namen Felipe trägt, statt königliche Autorität zu zeigen, einfach eine legalistische Haltung einnimmt.

Doch auch zuvor schon war es verständlich, daß Katalanen los von Madrid kommen wollten. Die spanische Regierung reagierte auf die Euro-Krise mit wirtschaftsliberalen Maßnahmen, die wenig Erfolg zeigten, wenn auch der Ministerpräsident lauthals großen Erfolg behauptet – Reiner Wandler berichtete davon ausgiebig (Die Krise dort oben, die Krise hier unten); er stellt genüßlich die Erfolge Portugals bei der Krisenbekämpfung mit sozialer Marktwirtschaft der spanischen Erfolglosigkeit gegenüber. Doch das spanische Leiden erschöpft sich nicht in der Erfolglosigkeit der neoliberalen Politik: «Noch immer verlieren täglich 189 Menschen ihre Wohnung oder sonst eine Immobilie durch Zwangsräumung» – und müssen dennoch für die Wohnungen, die sie nicht mehr haben, weiterhin die Kredite abzahlen, was so unter Franco nicht der Fall gewesen wäre.

Das Katalonien sich von Spanien trennen will, ist nicht zu begrüßen; daß das Land von dieser spanischen Regierung freikommen will, ist sehr verständlich.
(Übrigens war die sozialistische Vorgängerregierung ebensowenig erfreulich: sie hat dazu beigetragen, Spanien in die wirtschaftliche Krise gleiten zu lassen; und diese Regierung hat ein «Anti-Homophobie-Gesetz» erlassen, das es ermöglichte, einen Kardinal zu verklagen, der nichts verwerflicheres getan hatte als den Standpunkt der Kirche auszusprechen.)

Donnerstag, 28. September 2017

Zeitlicher und geistlicher Zyklus über der Erde

Sieben ist die Zahl des vollkommenen Zyklus.
Sieben ist die Zahl der Tage der Woche, die sich zu Wochen von Wochen verbinden, so zur Osterzeit von Ostern und Pfingsten; und in der Tradition Israels traten Jahreswochen und Wochen dieser Wochen hinzu.
Sieben ist aber auch die Zahl des geistlichen Zyklus der Sakramente, der freilich keinem Zeitmaß oder sonstigem Maß folgt, sondern absolut steht.
So verbinden sich zeitliche und geistliche Ordnung zur Potenz der Sieben, zur 49.
Sie steht über der Erde, deren Zahl – die vier Windrichtungen – die Vier ist.
Das ergibt 53.
Herzliche Glück- und Segenswünsche!

Dienstag, 27. Juni 2017

Des Bundesinnnenministers Thesen zur „Leitkultur“

Man kann durchaus darüber diskutieren, ob es politisch opportun ist, die USA als unseren «wichtigsten außereuropäischen Freund und Partner» zu behandeln. Zu einer deutschen Leitkultur gehört das ganz sicher nicht.

Samstag, 17. Juni 2017

Naïve Logik

«Dieser Zug hält nicht in Dettelbach», wird auf dem Nürnberger Hauptbahnhof angesagt. Und ganz naïv denke ich nun, daß es folglich Dettelbach gibt, obwohl von solch einem Ort (soweit ich weiß) noch nie ein Mensch gehört hat.
Welch naïve Logik!
Natürlich spricht es nicht gegen die Existenz eines solchen Ortes, daß von ihm (soweit ich weiß) noch nie ein Mensch gehört hat, denn der Zug nach Würzburg hält an vielen Orten, von denen (soweit ich weiß) noch nie ein Mensch gehört hat.
Aber ein Ort muß existieren, damit ein Zug an ihm halten kann; doch daß der Zug nicht an ihm hält, setzt nicht die Existenz eines solchen Ortes voraus.
Logischerweise muß ich zugeben, daß die Existenz dieses Ortes ungewiß bleibt.

Montag, 15. Mai 2017

NGL

«Einsam bist du klein, aber gemein» – an die erste Zeile erinnere ich mich; aber wie geht es danach weiter? Ich rate einmal: «.. doch zusammen sind wir unausstehlich.»
Rette sich wer kann!

Fatima

– ich achte die Erscheinungen, die Kinder, die sie hatten, deren zwei jetzt kanonisiert sind, ohne mein persönliches Andachtsleben danach auszurichten.
Aber eben: ich achte sie; und so frage ich mich, wie das in unserer Zeit hierzulande möglich sein könnte, wozu in Fatima aufgefordert wurde (und wozu unser polnischer Kaplan nun einlädt): an fünf aufeinanderfolgenden Samstagen zur „Sühnekommunion“ zu gehen.
Die Vorabendmessen der Sonntage sind Sonntagsmessen, auch wenn sie chronologisch am mittleren Samstagnachmittag stattfinden (17 Uhr bedeutet bei „Mitteleuropäischer Sommerzeit“ [sprich: Petersburger Zeit] am Niederrhein nach Sonnenzeit halb 4 nachmittags).
Wo werden außer in den großen Domen und Abteikirchen samstags noch regelmäßig Messen gefeiert?

Erstkommunion auf katholisch

Schade! Gelesen hatte ich schon: «einen Kommentar zum Thema Erstkommunion auf katholisch» – ein solcher würde ja gebraucht; und dann war es doch nur ein «Kommentar zum Thema Erstkommunion auf katholisch.de».

Montag, 1. Mai 2017

Kann man ein Volk auch ohne Völkermord auslöschen?

Die Regierung der Volksrepublik China bemüht sich darum.
Ihr Vorgehen gegen die Tibetaner in Tibet ist ja schon seit langem öffentliches Thema. Aber das gleiche Verfahren wird auch in anderen Randprovinzen des chinesischen Kolonialreichs angewandt.
Das Verfahren: einerseits wird die alteingesessene Bevölkerung durch Zuzug von Chinesen zur Minderheit gemacht – dem Milliardenvolk der Chinesen bereitet weder der Zuzug noch dessen Versorgung in den klimatisch ungünstigen Regionen Schwierigkeiten –; andererseits wird die nationale Kultur und vor allem die Religion unterdrückt.
So ist in Xinjiang, das früher Ost-Turkestan genannt wurde, das einheimische Volk der Uiguren nun bereits zur Minderheit geworden. Und jetzt ein entsprechendes neues Gesetz der chinesischen Provinzregierung – der US-Sender Radio Free Asia berichtete darüber, Felix Lee gibt es (Namensverbot für Uiguren-Babys) wieder:
In diesem Gesetz wurde «eine Liste verbotener Namen veröffentlicht. So soll jungen Mohammeds und Medinas bei Zuwiderhandlung der Eltern unter anderem die Sozialleistungen gekürzt werden.
Das Namensverbot ist Teil eines Gesetzes, das seit Monatsbeginn gilt und sich explizit gegen die muslimische Minderheit der Uiguren richtet. So dürfen uigurische Männer keine langen Bärte mehr tragen, Frauen ist in der Öffentlichkeit der Schleier untersagt, ebenso sind religiöse Hochzeits- und Beerdigungszeremonien verboten.
...
Eltern sind verpflichtet, ihre Kinder nur
[(!)] an staatlichen Schulen anzumelden. ...
Zutritt zu Moscheen bekommen Muslime nur noch ab dem 18. Lebensjahr. Auch wird es ihnen untersagt, islamische Reinheitsgebote im gesellschaftlichen Leben einzufordern.»


PS.:
Solch eine Möglichkeit hat die türkische Regierung den Kurden gegenüber nicht, denn Türken wie Kurden sind mehrheitlich Sunniten.
Auf derselben Seite der tageszeitung ist zu lesen: die türkische Luftwaffe bombardiert kurdische Milizen, die in Syrien und im Iraq gegen den IS kämpfen, ungeachtet dessen, daß diese Milizen zu einer mit den USA verbündeten Allianz gehören und die Türkei mit den USA in der Nato verbunden ist.

Samstag, 25. März 2017

Was am schönsten war beim Festival

«.. in dem sich die MaerzMusik als Plattform a) für experimentellen Film, b) für gegenwärtige musikalische Ratlosigkeit und c) für mittelalterliche Gesangskunst gleichermaßen präsentierte. Wobei c dann bedenkenswerterweise am schönsten war.»
(Thomas Mauch: Chillout-Zone für die Ohren in der Rubrik Ausgehen und Rumstehen. taz.berlin vom 21. März 2017)

Montag, 20. März 2017

Und was liegt in der Bahnhofs-„Lounge“ der DB aus

unter einem halben Dutzend an Illustrierten?
„Auto-Bild“

Dienstag, 7. März 2017

Sprache und Sprachlosigkeit der Bahn

Im ICE liegt «Ihr Reiseplan / Your Travel Guide» aus; darin steht unter den Anschlüssen in Berlin Südkreuz (in der bei der DB beliebten asyndetischen Syntax und Interpunktion):
« IC Busse Richtung Breslau, Kattowitz und Krakau fahren ab dem Omnibusbahnhof Berlin Südkreuz am Hildegard-Knef-Platz. Die Haltestelle erreicht man über den Ausgang der Eingangshalle West (Schöneberg / Naumannstraße / Hildegard-Knef-Platz). »
Danach folgt eine englische Übersetzung (« IC Busses to Wrocław, Katowice and Krakow (sic!) ...) ».
Sehen wir einmal von Deutschen ab, die ja keiner Übersetzung bedürfen: Was mögen das für Menschen sein, die aus dem innerdeutschen ICE (Binz – München) in Berlin in einen Reisebus nach Wrocław, Katowice und Kraków umsteigen? Natürlich auch, unter anderen, angelsächsische Touristen und Geschäftsleute. Aber ich stelle mir vor, daß es mehr Polen – Geschäftsleute, Arbeitnehmer, die in Deutschland arbeiten, vielleicht auch einige Touristen – sein dürften als Angelsachsen. Warum also eine englische Übersetzung und keine polnische? Einfache Gedankenlosigkeit oder die unter Deutschen so verbreitete Mißachtung der Polen?

Wo ist die kfd geblieben?

Eine Pfarrkirche am untersten Niederrhein. In der Sakristei sehe ich eine Fahne, auf der «kfd», «1908» und «1983» zu lesen ist – offensichtlich gestiftet zum 75jährigen Jubiläum. Wo aber ist die Fahne von 2008, zu 100jährigen? Ich sehe sie nicht.
Immerhin, das Netz verrät, daß es die lokale kfd doch noch gibt.

Samstag, 25. Februar 2017

Es ist nicht erfreulich für einen Katholiken,
den Papst zu kritisieren

– aber wenn es sachlich richtig und wenn es wichtig ist, ist es erlaubt – die heilige Katharina von Siena hat es seinerzeit mit so harten Worten getan, wie wohl kein heutiger frommer Katholik es wagte.
Ein Aufruf geht durchs Netz, von achtenswerten Menschen unterschrieben: „Sine Dubiis – Wir gehen mit Papst Franziskus!“ (ursprünglich „Sine Dubia“), der aber solche Kritiklosigkeit fordert.
Schon einmal habe ich dieser Haltung widersprochen, im Hinterzimmer der Bloggözese (in taîs emoû, nicht in den öffentlicheren Allotria), eben weil es ist erfreulich nicht, den Papst zu kritisieren.
Aber ich will hier gar nicht den Papst kritisieren, sondern den Aufruf: «Wir distanzieren uns ausdrücklich von den sogenannten Dubia, die suggerieren, Amoris Laetitia stelle einen Bruch des Lehramtes hinsichtlich der Ehepastoral dar.»
Daß das in der Tat nicht der Fall ist, habe ich selber bereits geschrieben. Aber die Dubia sind eine legitime Art der Äußerung gegenüber dem Pappst; die Dubia vierer Kardinäle, von denen zwei zu jenen „großen Kardinälen“ gehören, die Mons. Ratzinger ausdrücklich als solche bezeichnet hat. Diese Kardinäle so abzuwerten ist nicht zu rechtfertigen.
Das Unheilvolle ist freilich nicht der Text von Amoris Laetitia, wohl aber sein weitverbreiteter Mißbrauch, der die Zweifel dieser Kardinäle sehr begründet, ein entstellender Mißbrauch, der, wie Sandro Magister berichtet (in drei Sprachen, leider nicht auf deutsch), den Eindruck erweckt, er werde offiziell gefördert.
Daher sind, um Klarheit zu schaffen, die Dubia dieser Kardinäle berechtigt und hilfreich.
Was wiederum Sandro Magister anführt, ist, daß einst diese Klarheit Mons. Bergoglio im Sinne der vier Kardinäle hergestellt hat, was heute aber Papst Franziskus noch nicht wiederholt hat.